DIE GRINDELHOCHHÄUSER
Ein Film von Maike Möller
Nur wenige Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entstand im zerstörten Hamburg von 1946 bis 1956 die erste Wohnhochhaussiedlung Deutschlands: die Grindelhochhäuser in Harvestehude. Mit ihrer Erbauung verwirklichte die Stadt eine Utopie des modernen Wohnungsbaus, denn die Häuser boten alles, was man bis dahin nur erträumen konnte: Fahrstühle, Müllschlucker, Einbauküchen, Badewannen, lichtdurchflutete Räume mit großer Bewegungsfreiheit. Auch die Geschäfte des täglichen Bedarfs befanden sich in der parkartigen Anlage, so dass sich das Leben für die Bewohner größtenteils innerhalb ihres geschlossenen Viertels abspielte.

Die Hochhausstadt war durch ihre klare Struktur und perfekte Ordnung ein Gegenraum zum Stadtkomplex des wieder erstehenden Hamburgs. Doch besonders in den Anfangsjahren gab es aufgeregte Diskussionen, ob Menschen überhaupt in Hochhäusern leben dürften: Man befürchtete, die Potenzierung der Menschen führe zur Potenzierung ihrer Einsamkeit - ein Vorurteil, das sich bis in unsere Zeit erhalten konnte. So stellt sich die Frage, wie das Leben in der Hochhausstadt heute - ein halbes Jahrhundert später - aussieht und was von der einstigen Utopie erhalten geblieben ist.

Die Filmemacherin Maike Möller hat sich für ihre Dokumentation auf die Suche nach den Menschen hinter den gleichförmig wirkenden Fensterreihen gemacht und Erstmieter wie Neuankömmlinge nach ihrem ganz persönlichen Grindelgefühl befragt. Was beschäftigt die Menschen, wie nehmen sie ihr Viertel wahr? Treffen die Vorurteile zu, die gegenüber dem Hochhaus existieren? Sind die Menschen einsamer in der Masse, gibt es mehr Konflikte? Wie sieht das Wohnen innerhalb einer solch bedeutungsaufgeladenen Umgebung aus?

Kurz: Was macht das Grindel mit den Bewohnern und was machen die Bewohner aus dem Grindel? Der Film verfolgt die Geschichte der Grindelhochhäuser von der Aufbruchstimmung der Anfangsjahre bis in die Gegenwart aus 16 verschiedenen Perspektiven und lässt dabei viel Platz für die kleinen, persönlichen Geschichten der Menschen, aus denen sich das Geheimnis des Grindels letztlich wie ein Puzzle zusammensetzt.